{"id":117,"date":"2022-08-25T23:16:38","date_gmt":"2022-08-25T21:16:38","guid":{"rendered":"https:\/\/www.walterfreyfilm.com\/?page_id=117"},"modified":"2022-08-25T23:16:38","modified_gmt":"2022-08-25T21:16:38","slug":"der-butterbrotschmierer","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.walterfrey-derfilm.com\/?page_id=117","title":{"rendered":"Der butterbrotschmierer"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"462\" height=\"111\" src=\"https:\/\/www.walterfreyfilm.com\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/der-butterbrotschmierer-1.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-120\" srcset=\"https:\/\/www.walterfrey-derfilm.com\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/der-butterbrotschmierer-1.png 462w, https:\/\/www.walterfrey-derfilm.com\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/der-butterbrotschmierer-1-300x72.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 462px) 100vw, 462px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-style:italic;font-weight:600\">STADTMENSCH Harald Burger ist Uhrmacher. Nach Feierabend dreht er Filme \u00fcber Menschen, die sich Lebenstr\u00e4ume verwirklichen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-style:italic;font-weight:600\">Er habe wenig Zeit, sagt der Mann, der ohne Zeit nicht leben kann. Kundschaft wartet im Gesch\u00e4ft, Auftragsformulare m\u00fcssen ausgef\u00fcllt werden, eine reparierte Uhr ist aus dem Tresor zu holen. Das Handy l\u00e4utet, dann der Festnetzapparat. Harald Burger h\u00e4lt sich die Telefonh\u00f6rer nacheinander an sein linkes Ohr. Einem der beiden Anrufer antwortet Burger, er rufe gleich zur\u00fcck. Er wei\u00df sp\u00e4ter nicht mehr, wem er es gesagt hat. Die Nachmittagsjause bleibt unber\u00fchrt: Der Kaffee wird kalt, der Krapfen, an der Oberseite eingeschnitten und mit Puddingcreme gef\u00fcllt, leidet sichtlich unter der Raumtemperatur.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-style:italic;font-weight:600\">Burger k\u00f6nnte sich entspannt an seine Werkbank setzen, eine defekte Uhr zur Hand nehmen, sich bis in die Eingeweide des Zeitmessers vorarbeiten, so gleichsam die Zeit anhalten. Burger ist Uhrmacher, und das seit drei\u00dfig Jahren. Er ist in seiner Disziplin ein Kenner, er kann so gut wie jedes Edelst\u00fcck, jedes Billigklump reparieren. Er hat aber keine Zeit. Harald Burger ist damit besch\u00e4ftigt, einen seiner Tr\u00e4ume zu verwirklichen. Um 18 Uhr muss alles erledigt sein. Nach Gesch\u00e4ftsschluss beginnt sein zweites Leben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-style:italic;font-weight:600\">Burger, 53, entstammt einem seit Generationen im Gr\u00e4tzel rund um den F\u00fcnfhauser Schwendermarkt ans\u00e4ssigen Feinmechanikerklan. Urgro\u00dfvater, Gro\u00dfvater, Vater: alle Uhrmacher mit Hang zur Kleinkunst. &#8222;Der Opa hat sich als Schrammelmusiker versucht&#8220;, sagt der gegenw\u00e4rtige Chef des Familienunternehmens. &#8222;Die Ohren hat man sich bisweilen zuhalten m\u00fcssen. Ein Fanatiker!&#8220; Burger selbst absolvierte seine Ausbildung zu einer Zeit, als Stimmgabeluhren, Vorl\u00e4ufer der Quarzmodelle, in Mode waren. Drei Jahrzehnte f\u00fchrte er eine solide Uhrmachermeisterexistenz; er baute ein Haus und gr\u00fcndete eine Familie. Noch in Ausbildung, hatte er im Hof einer Kirche mit interessierten Kollegen einen Film gedreht, eine etwas gr\u00f6\u00dfenwahnsinnige Sisyphos-Adaption. Im Lauf der Jahre wurde Burger dann gleichsam zum Hauptdarsteller eines nie realisierten Lichtbildprojekts: Ein Uhrmacher sitzt in diesem Kopfkinofilm in seinem Gesch\u00e4ft, rund um ihn ticken unerbittlich die Uhren, und er sehnt sich nach der Vergangenheit, ins Jahr 1976 zur\u00fcck, als die Arbeit \u00fcber den mythologischen Steinroller entstanden war.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-style:italic;font-weight:600\">Seit einiger Zeit l\u00e4sst sich Burger nun die Haare wachsen, er hat ein Faible f\u00fcr extravagante Brillenmode entwickelt, er tr\u00e4gt Hemden in schreienden Farben. Und er ist Filmemacher nach Feierabend. Beim Wiener Community-TV-Sender Okto gestaltet der Zeitmessexperte in fixer Teamarbeit regelm\u00e4\u00dfig Portr\u00e4ts von Menschen, die ihre Lebenstr\u00e4ume verwirklichen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-style:italic;font-weight:600\">Butterbrot&#8220; nennt sich das Sendungsteam, dem Burger angeh\u00f6rt. Das erste von den hochherzigen Laufbildamateuren gefertigte Portr\u00e4t war dem ehemaligen Grafiker und jetzigen Maler Richard Jurtitsch gewidmet; &#8222;Butterbrot 2&#8220; r\u00fcckte drei Bassisten in den Mittelpunkt, die mit Vorliebe auf Berggipfeln musizieren. Zu sehen war auch eine Folge \u00fcber die S\u00e4ngerin Sandra Rose, die einst von Paris nach Wien floh, Hansi Hinterseer im Hintergrundchor stimmlich unterst\u00fctzte und seit zwei Jahren Sandras Salon organisiert, den ersten Jazzclub in der Leopoldstadt. Die n\u00e4chste &#8222;Butterbrot&#8220;-Sendung wird, l\u00e4uft alles nach Plan, am ersten Montag im Dezember auf Okto zu sehen sein: Ein lyrisch veranlagter Schlagzeuger, dessen j\u00fcngste CD &#8222;Suizid in Wien&#8220; betitelt ist, gibt sich darin dem Zusammenspiel von Poesie und Perkussion hin.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-style:italic;font-weight:600\">Normalit\u00e4t und Narretei. Alltag und Aussteigerfantasie. Im Kopf hat Harald Burger diese ohnehin nur vordergr\u00fcndig getrennten Sph\u00e4ren schon oft zusammengebracht, ineinandergeschraubt. Jetzt st\u00fcrzt er sich in Arbeit, er f\u00fchrt zwei Leben in einem. &#8222;Der Film \u00fcber mich&#8220;, sagt er, breites Grinsen im Gesicht, &#8222;m\u00fcsste wohl, Die Metamorphose des Harald B.&#8216; hei\u00dfen.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-style:italic;font-weight:600\">Infos: okto.tv\/butterbrot<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.walterfreyfilm.com\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/P7-844x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-81\" width=\"211\" height=\"256\" srcset=\"https:\/\/www.walterfrey-derfilm.com\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/P7-844x1024.jpg 844w, https:\/\/www.walterfrey-derfilm.com\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/P7-247x300.jpg 247w, https:\/\/www.walterfrey-derfilm.com\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/P7-768x932.jpg 768w, https:\/\/www.walterfrey-derfilm.com\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/P7-1266x1536.jpg 1266w, https:\/\/www.walterfrey-derfilm.com\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/P7-1688x2048.jpg 1688w\" sizes=\"auto, (max-width: 211px) 100vw, 211px\" \/><\/figure>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>STADTMENSCH Harald Burger ist Uhrmacher. 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